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Rüdiger Weimann
Dipl.-Finanzwirt
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Bundesregierung würdigt Bedeutung der Freien Berufe nicht
Zahnärzteblatt SACHSEN , Ausgabe 03/07ZBS: Herr Kraatz, Gesundheitsreform, Rechtsdienstleistungsgesetz und Änderungen an der Steuerberatergesetzgebung -den Freien Berufen weht ein kräftiger Wind aus Berlin entgegen. Wie gehen die sächsischen Freiberufler damit um?
Hans-Joachim Kraatz: In der Tat fühlen wir uns in unserer Bedeutung für die Gesellschaft und Wirtschaft nicht gewürdigt. Deutschlandweit sichern die Freien Berufe die Arbeitsplätze von über 2,8 Millionen Menschen. In Sachsen sind es über 70.000 Arbeitnehmer, die in unseren Kanzleien, Praxen und Büros angestellt sind. Uns ist die Politik der Bundesregierung in vielen Punkten unverständlich. Statt den Konjunklurauf-schwung zu stabilisieren, werden wichtige Bereiche der deutschen Wirtschaft, wie sie etwa die Freien Berufe vertreten, in ihrer Entwicklung beschränkt.
ZBS: Stichwort Gesundheitsreform: Welche Kritikpunkte haben Sie konkret an der Politik der großen Koalition?
Kraatz: Die Verschlimmbesserungen der Gesundheitsreform werden sowohl die Versicherten als auch die Heilberufe, zuvorderst die Ärzte und Zahnärzte, schlechter stellen. Mit den geplanten Änderungen wird den deutschen Ärzten die Staatsmedizin verordnet und das hohe Gut der Behandlungsfreiheit aufgegeben. Versicherte müssen einen höheren Beitrag zahlen und freiberufliche Ärzte werden noch mehr bevormundet. Auch die leistungsfeindliche Budgetierung bleibt bestehen. Dazu kommen, unter dem Deckmantel des Wettbewerbs, neue Strukturen, in denen Fremdkapital die Freiberufler zu abhängig Beschäftigtenmacht. Eine Verbesserung fürdie Patienten sehe ich da nicht. Wo ist der
Fortschritt, der üblicherweise mit einer Reform erreicht werden sollte?
ZBS: Mit den Änderungen im Steuerberatungsgesetz könnten beispielsweise Bilanzbuchhalter Umsatzsteuervoranmeldungen anfertigen. Sie sind Wirtschaftsprüfer und Steuerberater: Was spricht eigentlich dagegen?
Kraatz: Ohne die staatlich geregelte Überwachung dieser wichtigen Dienstleistungen werden die deutschen Finanzämter mit einem Chaos falscher Unterlagen umgehen müssen. Auch müssen Steuerberater ihre Tätigkeit mit einer Berufshaftpflicht absichern. Andere gewerblich tätige Berufsgruppen sind dazu nicht verpflichtet. Bedroht werden hier auch der wirtschaftliche Erfolg
und die privaten Finanzen von Millionen Steuerzahlern.
ZBS: Auch bei der Reform des Rechtsdienstleistungsgesetzes üben Sie und der Bundesverband der Freien Berufe scharfe Kritik.
Kraatz: Im Zuge der Lockerung des Rechts-beralungsmonopols für Anwälte soll jeder die Möglichkeit zur Erbringung von Rechtsdienstleistungen erhalten, wenn es sich dabei im Verhältnis zu seiner Hauptleislung nur um eine Nebenleistung handelt. Wenn eine so sensible Dienstleistung wie Rechtsberatung künftig von Dilettanten und Konzernen durchgeführt werden soll, muss man um die verlässliche Rechtssicherheit, die man bei einer anwaltlichen Beratung voraussetzen kann, fürchten. Wo bleibt die
Qualitätssicherung, wenn künftig Automechaniker Rechtsberatungen anbieten dürfen?
ZBS: Herr Kraatz, wir danken für das Gespräch.
Hintergrund: Hans-Joachim Kraatz, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater in Dresden, ist Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe (LFB) Sachsen. Im November wurde er von der Mitgliederversammlung des LFB für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Der Landesverband der Freien Berufe Sachsen e.V. ist die Dachorganisation von 16 sächsischen Fachverbänden und Körperschaften der Freien Berufe. Insgesamt sind im Landesverband 18.800 Freiberufler organisiert.




