Zuschüsse schaffen kaum neue Lehrstellen

Sächsische Zeitung, 13.02.2007

Am Geld liegt es nicht: Selbst wenn der Staat fast das ganze Gehalt neuer Auszubildender zahlt, richten Firmen selten zusätzliche Plätze ein.

Wenn Firmenchefs gefragt werden, warum sie keine Lehrlinge ausbilden, ist ein Grundf häufig dabei: Das kostet Geld. Hans-Joachim Kraatz, Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe Sachsen, fordert eine stärkere Förderung. Er vertritt beispielsweise Steuerberater und Anwälte, die seit Jahren immer weniger Auszubildende nehmen. Auch im vergangenen Jahr schrumpfte die Zahl der neuen Lehrverträge bei den Freiberuflern Sachsens weiter, während alle anderen Branchen ein Plus meldeten.

Kraatz sieht einen Grund in den unterschiedlichen Förderprogrammen: In seinen Branchen seien häufig Abiturienten gefragt, und für deren Ausbildung gebe es keine Zuschüsse. „Nicht nachvollziehbar" sei dieser Unterschied. Doch die jüngste Bilanz zum Ausbildungsjahr 2006 belegt: Selbst mit hohen Zuschüssen sind nicht viele Arbeitgeber zum Lehrherrn zu machen.

Gerade mal 280 zusätzliche Ausbildungsplätze entstanden im vergangenen Jahr dank einer neuen Subvention, die der Freistaat über die Sächsische Aufbaubank zahlte. Bis zu 80 Prozent vom Lehrlingsentgelt bekamen die Betriebe.

Allerdings mussten sie mehrere Bedingungen erfüllen: Den Zuschuss gab es nur für zusätzliche Ausbildungsplätze und für Lehrlinge, die nicht leicht zu vermitteln waren - etwa allein erziehende Mütter.

1200 Beratungsgesprache führte die Aufbaubank, heißt es im Bericht des Kollegiums „Berufsbildung und Fachkräfte für Sachsen", dem Behörden, Verbände und Arbeitsagentur angehören. „Ganz überwiegend handelte es sich jedoch um Unternehmen, die ohnehin geplante Ausbildungsplätze fördern lassen wollten", fasst der Bericht zusammen.

Denn der Bedarf stieg: Die Betriebe schlossen mehr als 21000 Lehrverträge ab, 340 mehr als im Jahr zuvor. Diese „leichte Entspannung" zeige aber keine generelle Wende zum Besseren. Wie in den Jahren zuvor fand der größte Teil der Bewerber keine Lehrstelle in einem Betrieb, sondern musste sich mit einer staatlichen Lehrwerkstatt zufrieden geben oder weiter zur Schule gehen! Laut Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) konnte zwar jedem „eine Perspektive für den Einstieg" in die Ausbildung geboten werden. Doch wer im vorigen Jahr nur „Einstiegsqualifizierung" oder "Berufsgrundschuljahr" bekam, steht diesen Herbst wieder als Bewerber in der Agentur für Arbeit.

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